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21. November 2009
 

ZDFinfokanal

 
Ian Rankin beim Interview in seinem Haus.
Ian Rankin gilt mit 17 Millionen verkauften Büchern als Großbritanniens führender Krimiautor.

Crime time

Edinburghs Unterwelten

Ein Besuch bei Ian Rankin

Seit 20 Jahren ermittelt Detective Inspector John Rebus in der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Ian Rankin hat ihn weltberühmt gemacht. Besuchen Sie mit uns den Bestsellerautor in seiner Heimatstadt.

 
 
 

Infobox

Buchtipp

"Im Namen der Toten"
Verlag: Manhattan
ISBN: 978-3-442-54606-0
Euro 19,95

2005: Edinburgh ist im Belagerungszustand. Demnächst wird hier der G8-Gipfel stattfinden. Zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten ist kein Durchkommen. Da stürzt ein Politiker von der Burg. Inspektor Rebus ermittelt zwischen Schnöseln vom Geheimdienst und idealistischen Protestlern. Damit nicht genug: ein Serienmörder ist auf Rachefeldzug. Und dann stolpert der Detektiv auch noch über George W. Bush. Davon handelt "Im Namen der Toten", Ian Rankins 16. Roman mit Detective Inspector John Rebus. Rebus ist zu einem schottischen Mythos geworden.

 

Obwohl er Beamter ist, arbeitet Rebus wie ein Privatdetektiv: allein, unbeirrbar, aufsässig. Verbrecher und Vorgesetzte hasst er. Er liebt Rockmusik, Whiskey und Bier. Ian Rankin hat ihn 1985 noch als Student erfunden. Seitdem ist der knurrige Bulle sein Punchingball, Psychotherapeut und reaktionäres alter Ego. Rankin spricht im Film darüber, wie schwer es ihm fällt, den Mann, mit dem er zwanzig Jahre gelebt und gelitten hat, 2007 in Rente zu schicken.

Blick auf Edinburgh.
Edinburgh ist die Heimat des Bestsellerautors.

Der eigentliche Held im Roman

In den Rebusromanen hat Ian Rankin Edinburgh ein zeitgenössisches literarisches Gesicht gegeben. Der Detektiv, der in allen Gesellschaftsschichten ermittelt, durchstöbert ein Edinburgh jenseits der touristischen Wahrnehmung. Mit Rebus hat Rankin die finsteren Aspekte der Stadtgeschichte erforscht, hat auch die Räume erschlossen, in denen das Elend sein Quartier hat. Mancher Ort ist dank Rankin heute eine Touristenattraktion wie etwa die mittlalterliche Gasse Mary King's Close. Der Film zeigt auch die verarmten Suburbs der Stadt.

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Biografie

Ian Rankin wurde 1960 in Cardenden, Fife geboren. Nach amateurhaften Ausflügen in die Rockmusik und einem Literaturstudium in Edinburgh schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, um sein Schreiben zu finanzieren. Neben den ersten Bänden der Rebus-Serie schrieb er ab 1987 unter primitiven Bedingungen in Frankreich an einer Spionageserie. Als der ältere Sohn schulpflichtig wurde, kehrte die Familie nach Edinburgh zurück, wo Rankin seither im selben Viertel wie J.K. Rowling und Alexander McCall Smith lebt. Rankin ist mehrfacher Ehrendoktor, Mitglied des British Order of the Empire und wurde sowohl mit dem "Edgar" der amerikanischen Krimischriftsteller als auch mit mehreren "Daggars" der britischen Krimischrifsteller ausgezeichnet, darunter dem "Diamond Daggar" für sein Lebenswerk (2005). 2003 und 2005 erhielt er den Deutschen Krimipreis.

 

In der halb aufgegebenen Siedlung Niddrie wird ein progressiver Stadtrat ermordet - ein weiterer Handlungsstrang des Romans "Im Namen der Toten". Gangster Cafferty, Bentleyfahrer und Rebus' Erzfeind, duldet nirgendwo Rivalen. Im Fight mit den Geheimdienstlern, die die Mächtigen der Welt und ihre Geschäfte schützen, erkennt Rebus, dass Cafferty nur eine Sorte von Verbrecher ist. Gefährlicher und schwerer zu fassen als die Unterwelt ist die "Oberwelt": die multinationalen Konzerne, das Big Business. Dies ist die Erkenntnis, die Ian Rankin in seinen Romanen gestaltet. Seit seinen Anfängen ist er immer politischer geworden.

Vom Arbeiterkind zum Millionär

Im Film spricht Ian Rankin von seiner Jugend im Kohlerevier Fife, vom Traum, Schriftsteller zu werden und den ersten Schritten, die er als armer Student auf diesem Weg unternahm, mit Unterstützung seiner Ehefrau. Jetzt ist er wohlhabend und zeigt nicht ohne Stolz sein Hottub mit Stereoanlage und Fernbedienung, in dem er seine geliebte Rockmusik hört. Noch mehr Spaß macht es ihm, das gute Stück als das auszugeben, das Gangster Big "Ger" Cafferty gehört. Über solchen Späßen vergisst man leicht, dass Rankin ein gebildeter und ernsthafter Mann ist, der sich als schottischer Autor in einer großen Traditon weiß - zu Recht.

 
Blick auf das Schild der Oxford-Bar in Edinburgh.
Wenn Ian Rankin nicht arbeitet, kann man ihn in seinem Stamm-Pub "The Oxford Bar treffen.

Der moderne Mythos von Dr. Jekyll und Mr Hyde wurde schließlich nach einem realen Vorbild in Edinburgh von Robert Louis Stevenson erfunden. Aber wenn man Ian Rankin vor "Deacon Brodies Tavern" auf der Royal Mile sitzen und mit den vorbekommenden Leuten plaudern sieht oder ihn bei seinen Kumpels in der Oxford Bar trifft, spürt man hinter dem erfolgreichen Weltautor immer noch den aufgeweckten Jungen von nebenan.