Hauptnavigation:

Sie sind hier:

09. Februar 2010
 

ZDFinfokanal

 
Blick von oben auf die Baustelle. Quelle: Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft
Alles neu - am Hafen wächst die neue Innenstadt.

Neues Gesicht für Bremerhaven

Dubai an der Weser

Die "Havenwelten" sollen das Image der Stadt wandeln

Die größte Stadt an der Nordseeküste sehnt sich nach einem Imagewandel. Bremerhaven baut deswegen im großen Stil. Es ist eine städteplanerischer und finanzieller Kraftakt: Das Großprojekt "Havenwelten" am alten und neuen Hafen soll der Stadt ein neues Gesicht verleihen.

 
 
 
 

Zweckbauten der fünfziger bis siebziger Jahre prägen die Kulisse von Bremerhaven. Einst lebten die Menschen hier von Fischfang und Werften. Heute ist die Stadt gezeichnet von hoher Kinderarmut und Arbeitslosigkeit, jeder dritte Haushalt ist hoch verschuldet. Viele Wohnungen und sogar ganze Häuser und Wohnblocks stehen leer. Etliche Millionen sind schon in die Sanierung der heruntergekommenen Stadtteile geflossen. Viel geändert hat sich dadurch nicht. Jetzt investiert die Stadt an anderer Stelle: Wo seit dem Krieg Brachland war, entsteht mit den "Havenwelten" eine neue Innenstadt. 400 Millionen Euro sind bereits geflossen - sowohl aus privater, als auch aus öffentlicher Hand.

 
ein unbewohntes Haus. Quelle: ZDF
ZDF
Trostlos - verlassene Häuser in der Stadt

Infobox

Bremerhaven

Die Seestadt Bremerhaven ist eine kreisfreie Stadt im Nordwesten Deutschlands. Gemeinsam mit der 60 Kilometer südlich gelegenen Landeshauptstadt Bremen bildet sie das Land Freie Hansestadt Bremen. Aktuell wohnen rund 116.000 Menschen in Bremerhaven.

Luxushotel auf Wesersand

 

Vom neuen, maritim geprägten Stadtzentrum, einem exklusiven Büro- und Hotelbau und einem Klimahaus-Museum versprechen sich die Planer einen Zuwachs an Tourismus. Als erstes ist auf dem Gelände am Hafen ein neues Hotel entstanden, Teile des Komplexes beherbergen Büros. Vor wenigen Tagen haben die ersten Gäste die Luxuszimmer bezogen. Das architektonische Highlight soll nicht nur Touristen anziehen, sondern auch für neue Arbeitsplätze sorgen. Architekt des Sail City - Hotels ist Thomas Klumpp. Mit seinen Entwürfen möchte er die Menschen berühren: "Mein Ziel ist nicht nur die funktionelle Architektur, sondern Architektur, die die Leute bewegt."

das neue Hotel am Hafen. Quelle: ZDF
ZDF
Atlantic Hotel Sail City

Das Hotel hat die Form eines Segels und ist nicht zu übersehen. Denn es überragt mit einer Gesamthöhe von mehr als 140 Metern alle anderen Gebäude der Stadt. Mehr noch: Der Komplex zählt zu den höchsten Gebäuden an der ganzen Nordseeküste. Der Tower liegt zwischen Wesermündung und historischen Häfen. 500 Stützpfähle mussten 25 Meter tief in den weichen Wesersand gerammt werden. Sie tragen das 32.000 Tonnen schwere Hochhaus - eine bautechnische Herausforderung.

 

Hotel als "neues Wahrzeichen"

Architekt Thomas Klumpp. Quelle: ZDF
ZDF
Architekt Thomas Klumpp

"Wir wollen mit diesem Gebäude eine Identität für diese besondere Stadt am Meer vermitteln", erklärt Architekt Klumpp. Die Fassade des Hotels solle einen Bezug herstellen zum Meer, zum Handel, zu den Großseglern und zum Schiffsverkehr. Denn "Bremerhaven ist aus der Tradition dieser Großsegler entstanden". Doch viele Besucher verbinden das Hochhaus hinter dem Deich keineswegs nur mit Großseglern. Einige sprechen eher vom "Dubai-Tower" - in Anspielung auf das 1994 in Dubai entstandene teuerste Hotel der Welt, Burj Al´Arab.

 

Dieser Vergleich ärgert den Architekten. Sein Hotel sei keine Kopie, versichert er. Es verwende die Formensprache von Großseglern, und das habe das Hotel in Dubai auch getan. So wie viele andere Gebäude auf der Welt. Ob Kopie oder nicht - die Stadtführung ist jedenfalls stolz auf ihr neues Riesenhotel am Hafen. Auf ihrer Internetseite spricht sie gar von einem "neuen Wahrzeichen" Bremerhavens und bezeichnet das Hochhaus als spektakulärste Landmarke der Nordseeküste.

 
Kräne neben dem neuen Hotel. Quelle: ZDF
ZDF
Bauen im Akkord - Bremerhaven hofft auf viele Touristen.
 

Museen und Einkaufszentren wachsen

Blick entlang der Hotelfassade in den Himmel. Quelle: ZDF
ZDF
Hoch hinaus - die Stadt hat viel vor.

Während die ersten Urlauber die Aussicht aus ihren Suiten genießen, gehen drum herum die Bauarbeiten weiter. Bald wird das Mediterraneo eröffnen, ein schickes neues Einkaufszentrum. Daneben wächst ein futuristisches Gebäude, das einmal wie eine gewaltige, gläserne Gurke aussehen soll: das Klimahaus. Diese multimediale Wissens- und Erlebniswelt soll im Frühling 2009 eröffnen und die verschiedenen Klimazonen der Welt vermitteln. Außerdem hat sich die Stadt einen neuen Zoo geleistet und das Auswandererhaus gebaut, ein Museum über die Auswanderwelle nach Amerika.

 

In den ursprünglichen Stadtteilen Bremerhavens tut sich dagegen nur wenig. Noch ist hier nicht viel zu spüren von einem Imagewandel oder gar von einem Aufschwung. Ob die Rechnung der Stadtväter und Planer aufgeht und Bremerhaven ein neues Gesicht bekommt, bleibt abzuwarten.

 
 
  • del.icio.us
  • digg
  • facebook
  • twitter
  • myspace
  • mrwong
  • webnews
  • yigg