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21. November 2009
 

ZDFinfokanal

 
Joachim Kardinal Meissner. Quelle: ap
Joachim Kardinal Meisner ist seit 1989 Erzbischof von Köln.

Der Kardinal von Köln

Joachim Meisner im Profil

Das Jahr 2008 ist für Kardinal Joachim Meisner gleich in mehrfacher Hinsicht ein Jubiläumsjahr: Am 25. Dezember 2008 wird er 75 Jahre alt und seit 25 Jahren gehört er als Kardinal zur Führungsetage im Vatikan. Vor 20 Jahren wurde er von Papst Johannes Paul II zum Erzbischof von Köln ernannt. Seitdem leitet er das reichste Bistum der Welt und ist somit zu einem der einflussreichsten Amtsträger der katholischen Kirche geworden.

 
 
 
 

In Deutschland allerdings ist er auch einer der umstrittensten - für die einen ein Bollwerk der Moral, das Gewissen der Deutschen, für die anderen "geistiger Brandstifter", Buhmann der Nation. Kardinal Meisner polarisiert. Was für ein Mensch ist das? Wie sieht er sich selbst? Schmerzt die Ablehnung den Seelsorger oder gehört sie zum Programm des "Widerstandskämpfers Gottes", wie sich der Kardinal von Köln selbst bezeichnet? Dem Phänomen Meisner will der Film anlässlich des 75. Geburtstags nachgehen.

 

Das Leben des Joachim Meisner

Geboren wurde Joachim Meisner am 25. Dezember 1933 im schlesischen Lissa bei Breslau. Nachdem der Vater im Zweiten Weltkrieg fiel, siedelte die Mutter mir ihren vier Söhnen nach Thüringen über. Zunächst absolvierte Meisner eine Lehre als Bankkaufmann. Anschließend trat er 1951 in das Spätberufenenseminar Norbertuswerk bei Magdeburg ein. Dort holte er das Abitur nach und studierte anschließend katholische Theologie in Erfurt und Neuzelle bei Frankfurt/Oder.

 

Als Kaplan arbeitete er in St. Ägidien in Heiligenstadt und in St. Crucis in Erfurt. Dort war er auch neun Jahre lang Rektor der Diözesan-Caritas. Außerdem unterrichtete er am Seminar für Kindergartenerzieherinnen und war Spiritual für Mitarbeiter in kirchlich-karitativen Institutionen. Am 17. März 1975 wurde Meisner von Papst Paul VI zum Weihbischof des Apostolischen Administrators von Erfurt und Meiningen ernannt.

 

Im Dezember 1976 wurde Meisner von den Mitgliedern der Berliner Bischofskonferenz zu ihrem Vertreter bei der vierten römischen Bischofssynode im September 1977 im Vatikan gewählt. Drei Jahre später im April 1980 wurde Meisner von Papst Johannes Paul II auf den Berliner Bischofsstuhl berufen, 1983 dann zum Kardinal ernannt. In sein Amt als Erzbischof von Köln wurde Meisner zunächst gegen den Willen des Domkapitels 1989 eingeführt.

Papst Benedikt XVI spricht mit Joachim Karl Meisner. Quelle: dpa
dpa
Der Kardinal sieht in Papst Benedikt Ähnlichkeit mit Jesus Christus.

Treuer Gefolgsmann

Im Vatikan geht er ein und aus, er ist ein enger Berater und Freund des Papstes. Er zeigt sich als treuer Gefolgsmann des Papstes und Hüter der reinen Lehre. Seine Position war immer konservativ wie etwa in Bezug auf das Frauenpriestertum, Abschaffung des Zölibats oder das Mitfeiern des evangelischen Abendmahls für katholische Priester, nur um einige Beispiele zu nennen. Er ist ein Hardliner in jeder Hinsicht. Im Zusammenhang mit der Abtreibungsdebatte empfahl Meisner gar der CDU, das "C" aus ihrem Namen zu streichen, wenn sie nicht mehr fähig sei, klar Position zum ungeborenen Leben zu beziehen.

Joachim Kardinal Meisner im Interview. Quelle: dpa
dpa
Meisner deutete eine Parallele zwischen der Abtreibung und dem Holocaust an.

Umstrittene Figur

Kardinal Meisner ist auch eine recht umstrittene Figur in Deutschland. Für große Empörung sorgte er, als er die Abtreibungspille RU 486 als ein "Tötungsinstrument" bezeichnete und deren Anwendung mit der chemischen Vernichtung von Menschen während der Nazi-Zeit verglich. Er scheut sich grundsätzlich nicht vor offenen Worten, wenn er etwa bei der Eröffnung des Kunstmuseums im Erzbistum vor einer Entartung der Kunst warnt. Es kam auch zum offenen Streit mit Kardinal Lehmann. Lehmann kritisierte Meisners geringe Bereitschaft zum Dialog, wenn es um die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland geht.

 

Ein Höhepunkt in Kardinal Meisners Amtszeit ist sicher der Weltjugendtag 2005. Ein Erbe aus der engen Freundschaft mit Papst Johannes Paul II. Ans Aufhören denkt Meisner nicht. In der Regel reichen Bischöfe mit 75 ihren Rücktritt ein, Kardinäle etwas später. Meisner will aber, getreu seinem Versprechen "bis dass der Tod uns scheidet", im aktiven Dienst der Kirche bleiben.